PMDS - Was ist das?

Der weibliche Zyklus sorgt für natürliche Schwankungen in Stimmung und Befinden über die einzelnen Phasen hinweg. Wenn es in der Zeit vor der Periode („prä“menstruell) zu belastenden Symptomen kommt, wird, je nach Schweregrad, von PMS (Prämenstruelles Syndrom) oder PMDS (Prämenstruelle dysphorische Störung) gesprochen. Dysphorie ist das Gegenteil von Euphorie. Da Betroffene und ihr Umfeld den Leidensdruck vor allem über die Veränderungen in der Stimmung bemerken, spiegelt sich das auch im Namen wider.

Der beschwerdefreie Ablauf:

Der Zyklus lässt sich in zwei Phasen einteilen: Die Follikelphase vom Einsetzen der Periode bis zum Eisprung und die Lutealphase (Gelbkörperphase) vom Eisprung bis zur nächsten Periode.

Der Follikel ist das, was die Eizelle umgibt. Während er heranreift, produziert er Estradiol, ein Östrogen. Auf das Nervensystem wirken Östrogene oft unterstützend in Bezug auf Stressverarbeitung und Emotionsregulation. Viele Frauen berichten, dass sie sich vor dem Eisprung selbstbewusst fühlen und viel Energie haben.

Sobald das Ei aus dem Follikel freigesetzt wurde, wird er zum Gelbkörper und produziert Progesteron. Das führt zum Anstieg der Körpertemperatur, weshalb sich mit dem täglichen Messen der Basaltemperatur einschätzen lässt, ob der Eisprung stattgefunden hat. Progesteron, bzw. im Gehirn die „Weiterentwicklung“ Allopregnanolon [Sprich „Allo“ wie in „Hallo“, „pregnan“ wie in „pregnant“ und „olon“ wie in „Hormon“], wirkt auf das Nervensystem beruhigend. Es sorgt z.B. an den GABA-Rezeptoren der Amygdala dafür, dass mehr Chlorid in die Zellen einströmt und sie so gehemmt werden. Da die Amygdala Angst und Gefahren einschätzt und eine höhere Aktivierung mit mehr Angst einhergeht, passiert bei der Hemmung das Gegenteil: Angstgefühle werden weniger, Entspannung tritt ein.

Bei PMS/ PMDS:

Eine so entspannte Lutealphase kann sich kaum eine Frau vorstellen. In wissenschaftlichen Veröffentlichungen wurden Dutzende bis über 100 Symptome beschrieben, die regelmäßig nach dem Eisprung beginnen und im Laufe der Menstruation wieder verschwinden. Viele berichten z.B. von Wut und Reizbarkeit, Angst, innerer Unruhe, starken Schwankungen in der Stimmung, Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisung, Hoffnungslosigkeit, Lustlosigkeit und Konzentrationsproblemen. Zu den körperlichen Symptomen gehören z.B. Brustempfindlichkeit, Kopfschmerzen, leichte Ermüdbarkeit und Energieverlust. Manche Frauen haben nur einzelne, leichte Symptome, andere sind stärker belastet. Es kann als Spektrum verstanden werden, bei dem ab einer gewissen Symptomzahl und Stärke von der Prämenstruellen dysphorischen Störung gesprochen wird.


Teste, ob du von PMDS betroffen sein könntest:

Im vergangenen Jahr hatte ich während der meisten Zyklen in den Tagen vor meiner Periode folgende Symptome, die etwa eine Woche nach Einsetzen der Blutung wieder fast oder ganz weg waren:

A: Hauptsymptome
☐Deutliche Angst, innere Unruhe, Anspannung, Nervosität
☐Reizbarkeit, andauernde Wut, Konflikte
☐Stimmungsschwankungen, plötzliche Traurigkeit, intensive Gefühle bei Zurückweisung
☐Depressive Verstimmung, Hoffnungslosigkeit, negative Gedanken über mich selbst

B: Nebensymptome
☐Weniger Interesse an Aktivitäten (Beruf, Schule, Freunde, Hobbys etc.)
☐Konzentrationsschwierigkeiten, Vergesslichkeit
☐Leichte Ermüdbarkeit, Energieverlust
☐Appetitveränderungen
☐Schlafstörungen (zu viel/ zu wenig/ unruhig)
☐Gefühl von Kontrollverlust/ Überwältigtsein
☐Brustempfindlichkeit, Gelenk-/Muskelschmerzen, sich „aufgedunsen“ fühlen, Gewichtszunahme

C: Die Beschwerden führten zu starken Beeinträchtigungen oder Leidensdruck in mind. einem der folgenden Bereiche:
☐Beziehungen (z.B. Familie, Partnerschaft, Kolleg:innen),
☐Leistungsfähigkeit (Beruf/Schule/Zuhause),
☐Fähigkeit, an sozialen Aktivitäten oder Hobbys teilzunehmen.

📊 Auswertung: Du hast mind. 5 Kreuze, die in die Bereiche A und B fallen (davon mind. 1 aus Bereich A) sowie mind. 1 Kreuz bei C? Das sind deutliche Hinweise auf eine mögliche Prämenstruelle Dysphorische Störung.

Der Test dient lediglich einer ersten Einschätzung und ersetzt keine Diagnosestellung durch eine Spezialistin. Er ist an den Kriterien der Klassifikationssysteme ICD-11 und DSM-V orientiert. Für eine genaue Diagnose wird ein über 2 Zyklen geführtes Tagebuch benötigt.


Was ist da los?

PMDS hat einen epigenetischen Faktor. Das bedeutet, dass es eine genetische Veranlagung gibt, die durch die Umwelt in ihrer Ausprägung beeinflusst wird. Das Spannende ist, dass die Ausprägung der Veranlagung (vereinfacht gesagt) jeden Zyklus neu auf- und abgebaut wird! Und die Dinge, die dafür verantwortlich sind, lassen sich beeinflussen.

Das passiert im Gehirn: Ein Erklärungsmodell ist, dass das Nervensystem betroffener Personen darauf getrimmt ist, Gefahren sehr ernst zu nehmen. Oft hat es bspw. durch Traumata in der Kindheit gelernt, „Ich bin nicht sicher und muss gut aufpassen“. Nach dem Eisprung geht der Körper davon aus, dass er schwanger sein könnte. Ein weiterer Grund, besonders vorsichtig zu sein, denn entwicklungsgeschichtlich waren Schwangerschaften mit einem großen Risiko verbunden. Wenn jetzt also Schwankungen in der Progesteronmenge bemerkt werden, schlägt das Nervensystem Alarm. Der GABA-Rezeptor wird so umgebaut, dass er nicht mehr so gut angesprochen werden kann oder sogar in seiner Wirkweise umgekehrt wird. Angst wird dann nicht gehemmt, sondern ausgelöst. In diesem evolutionären Erklärungsbild kann PMDS also als Versuch des Körpers verstanden werden, sich in Sicherheit zu bringen.

PMDS kann enormen Leidensdruck auslösen. Lebensumstände werden in Frage gestellt, zwischenmenschliche Beziehungen leiden und Verantwortungen nachzukommen wird immer schwieriger. Bei manchen geht es so weit, dass sie nicht mehr leben möchten. Wenn du dich in einer Notsituation befindest, findest du hier Anlaufstellen.

Die gute Nachricht:

Der Vorgang im Gehirn ist nicht in Stein gemeißelt. Wie stark die Reaktion entsteht, lässt sich von Zyklus zu Zyklus beeinflussen. Du hast über Stressmanagement, Sport und Ernährung die direkte Möglichkeit, Progesteronschwankungen abzumildern. Psychotherapie kann außerdem dabei helfen, alte Wunden zu heilen und ein Grundgefühl von Sicherheit in der Welt herzustellen.

In meiner Spezialpraxis in Berlin Mitte bin ich für dich da. Dank meiner hybriden Arbeitsweise (vor Ort und online) kann ich dir kurzfristig freie Termine anbieten. Ich halte auch immer Slots für zyklusbedingte Notfälle frei. Melde dich, wenn du an einer Zusammenarbeit interessiert bist. Hier kommst du zum unverbindlichen Erstgespräch für Privatversicherte und Selbstzahler.

Weiter
Weiter

Begriffe in der Paarberatung